Tag des Offenen Denkmals in der Fraurombacher Kirche: Vorträge von Margit Krenn und Peter Sichau

FRAUROMBACH (ml). Im Rahmen der Veranstaltungen zum Tag des Offenen Denkmals am 14. September konnte der Förderverein Fraurombacher Wandmalereien zahlreiche Gäste zu Vorträgen von Margit Krenn und Peter Sichau in der Kirche in Fraurombach begrüßen.

Zwar stand der Tag des Offenen Denkmals in diesem Jahr unter dem Motto "Archäologie und Bauforschung". Dennoch eignete sich, wie Margit Krenn ausführte, gerade das Datum des Denkmaltags dazu, die Wandmalereien einmal unter einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Der 14. September ist in der katholischen Liturgie der Tag, an dem das Fest der Kreuzerhöhung gefeiert wird. Anlass ist die erste Präsentation des zuvor verschollenen Kreuzes Christi im 4. Jahrhundert zur Verehrung durch die Gläubigen, nachdem es der Legende nach von Helena, der Mutter des Kaisers Konstantin, wieder gefunden worden war.
Die Auffindung des Kreuzes steht aber auch in unmittelbarem Zusammenhang mit der Legende des heiligen Heraklius. Dieser hatte später als byzantinischer Kaiser das von den Persern geraubte Kreuz zurückerobert und nach Jerusalem gebracht. Die Geschichte um die Rückeroberung des Kreuzes bildet einen wesentlichen Teil der Darstellung der Lebensgeschichte des Heraklius in der Fraurombacher Kirche.
Wie Margit Krenn weiter ausführte, spielt die Kreuzesthematik vermutlich deshalb eine so große Rolle in der Fraurombacher Kirche, weil im Mittelalter das Recht, die Pfarrstelle in Fraurombach zu besetzen, bei den Kollegiatsherren, also geistlichen Herren weltlichen Standes, aus Hünfeld lag. Das aus einem Kloster hervorgegangene Kollegiat stand selbst unter dem Patronat des Heiligen Kreuzes. Es ist davon auszugehen, dass aus diesem Grund die Fraurombacher Kirche, die, wie schon der Ortsname erkennen lässt, unter dem Patronat Unserer Lieben Frau stand, zusätzlich unter den Schutz des Heiligen Kreuzes gestellt wurde. Über diesen religiösen Gesichtspunkt hinaus sind in diesem Zusammenhang aber auch Fragen der öffentlichen Feststellung von Machtansprüchen der Kollegiatsherren gegenüber anderen Territorialherren der damaligen Zeit zu berücksichtigen.
Im Anschluss an den Vortrag von Margit Krenn stellte Peter Sichau, der Baumaßnahmen an der Kirche über Jahre hinweg architektonisch begleitet hat, die Baugeschichte der Fraurombacher Kirche dar. Dabei brachte er in beeindruckender Weise die verschiedenen Etappen ihrer baulichen Gestaltung mit den religiösen und gesellschaftlichen Entwicklungen der jeweiligen Zeit in Zusammenhang.
So werde an den verschiedenen Bauphasen die auf die Religion und die Art ihrer Ausübung bezogene Geisteshaltung der letzten eintausend Jahre sichtbar. Gleiches gelte für die Qualität dessen, was die jeweiligen Epochen in architektonischer und künstlerischer Hinsicht hervorgebracht hätten. Insbesondere die Malereien stünden im Kontrast zur künstlerisch weniger wertvollen Ausgestaltung der Kirche etwa aus dem 19. Jahrhundert. Über diesen Kontrast hinaus seien sie aber auch in der Lage, die aus späterer Zeit stammende Gestaltung ihrerseits aufzuwerten.
Bemerkenswert sei, dass eine derart bedeutsame Malerei in einem so kleinen Ort zu finden sei. Dies sei wohl unter Anderem darin begründet, dass Fraurombach bereits in der Missionsgeschichte der Fuldaer Gegend als einer der für eine mögliche Klostergründung untersuchten Orte eine wichtige Rolle gespielt habe. Auch müsse angenommen werden, dass sich in Fraurombach eine Etappe für Pilger im Wegenetz zwischen Schlitz und Hersfeld befunden habe.
Ungewöhnlich sei mit Blick auf den Zustand anderer Kirchen, dass von fast allen an der Kirche vorgenommenen An- und Umbauten bis heute Spuren zu erkennen seien. Ein Grund hierfür sei, dass man im 20. Jahrhundert, in dem anderenorts insbesondere in den fünfziger und sechziger Jahre die Ergebnisse vorheriger Bauphasen fast völlig überdeckt worden seien, in Fraurombach auf größere Veränderungen weitgehend verzichtet habe.
Erbaut wurde die Kirche im romanischen Stil. Der zu dieser Epoche gehörende Rundbogen wurde trotz des später hinzugefügten Choranbaus im gotischen Stil nicht entfernt, sodass an dieser Stelle nun zwei Bögen, im gotischen und im romanischen Stil zu sehen sind. Es sei denkbar, dass der romanische Bogen deshalb dort belassen und in das gotische Baukonzept integriert wurde, weil bei seiner Entfernung der Bestand der Malereien gefährdet gewesen wäre.
Neben weiteren Veränderungen an der Kirche im 16. und später im 18. Jahrhundert sei eine umfassende Sanierung im 17. Jahrhundert vorgenommenen worden. Dass eine derart aufwändige Maßnahme während des Dreißigjährigen Krieges, das heißt in einer der größten Notzeiten, erfolgt sei, deute auf eine fortlaufende Bedeutung des Ortes für die in dieser Zeit sehr zahlreich fließenden Pilgerströme hin.
Im Zusammenhang mit in der Gegenwart zu leistenden Renovierungsmaßnahmen hob der Referent die Schwierigkeiten hervor, die sich aus der Anwendung heutiger Techniken und Materialien auf die vorhandene Bausubstanz ergäben. Diese sei nach gänzlich anderen Methoden hergestellt worden und eine Übertragung moderner Vorgehensweisen oft sehr aufwändig. Daher sei ein hohes Maß an Forschertätigkeit im Vorfeld jeder Maßnahme erforderlich. Beispielhaft sei hierfür die instabile Konstruktion des nach den Maßstäben moderner Statik für das Kirchengebäude eigentlich zu hohen Turmes, die bei heutigen Sanierungsmaßnahmen berücksichtigt werden müsse.
Zum Ende des Vortrags konnte der Dachstuhl der Kirche besichtigt werden. Hier sind in besonderem Ausmaß authentische Spuren früherer Bauphasen sichtbar, die im unteren Bereich des Gebäudes aufgrund von Verputz und ähnlichem nicht zu sehen sind.
Im Anschluss an den interessanten und vom Publikum sehr positiv aufgenommenen Vortrag entstanden bei einer Tasse Kaffee zwischen einigen Gästen noch angeregte Gespräche über die Kirche und ihre Malereien. Der Förderverein kann also auch hinsichtlich seiner Bemühungen, weitere Interessierte für sein Anliegen zu gewinnen, auf eine gelungene Veranstaltung zurückblicken.


Architekt Peter Sichau.***


Margit Krenn, 1. Vorsitzende des Fördervereins Heraklius Wandmalereien,
während ihres Referates: Wandmalereien im Kontext der Kreuzzugslegende.


Auf den Spuren der Baugeschichte der Fraurombacher Kirche mit Architekt Peter Sichau.

zum Originalartikel (Schlitzer Bote, 22.09.2008)

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