Konservatorische Maßnahme deckt neues Schadensbild auf. Akut substanzgefährdete Partien wurden gesichert

FRAUROMBACH (ffr). Die Ergebnisse aus einer einwöchigen konservatorischen Maßnahme an dem Fraurombacher Wandmalereizyklus zur Legende des byzantinischen Kaisers Heraklius stellen den Förderverein und alle dem Erhalt dieses Kulturdenkmals verpflichteten Institutionen vor neue Aufgaben.

Eigentlich hatte die konservatorische Maßnahme nach dem gemeinsamen Auftrag des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen und des Fördervereins Fraurombacher Wandmalereien das Ziel, zum einen eine maltechnische Untersuchung durchzuführen und zum anderen eine ganzheitliche Oberflächenkontrolle mit anschließender Staubabnahme, Verfestigung der lockeren Putzstellen und Auskittung der verloren gegangenen Putzstücke und Risse vorzunehmen. Dies schien jedenfalls nach einer Begehung und Begutachtung im Juni 2005 zunächst erforderlich. Da diese Begutachtung ohne Gerüst stattgefunden hatte, wurden erst zu Beginn der Arbeiten Ende August, Anfang September 2006 bei der Sichtung vom Gerüst aus, massive neue Schäden an den Wandmalereien deutlich. Dass es sich bei dem vorgefundenen Rissnetz um eine Veränderung der letzten Jahre handeln muss, zeigt sich beispielsweise an den Stellen, wo Risse quer durch die Kittungen der Restaurierungsmaßnahme von 1987/88 verlaufen. Einer der Risse weist die beachtliche Länge von 175 cm auf, so dass überprüft wird, ob eventuell statische Veränderungen am Bauwerk diese Schäden verursacht haben. Mithilfe einer akustischen Untersuchung der gesamten Fläche wurden zudem großflächige Putzhohlstellen ausgemacht. Dipl. Restaurator Georg Pracher passte in Absprache mit Dipl. Restauratorin Christine Kenner vom Landesamt für Denkmalpflege die Konservierungsmaßnahme dieser veränderten Situation an und sicherte nun in erster Linie akut substanzgefährdete Partien, indem Injektionsmörtel in die Hohlstellen der Putzschichten eingespritzt wurde. Weniger gefährdete Hohlstellen wurden nur dokumentiert, aber nicht gesichert. Laut Maßnahmebericht, der seit kurzer Zeit vorliegt, haben die Arbeiten, die im Zeitraum einer Woche durchführbar waren, lediglich den "Charakter einer Notsicherung". Eine vollständige Sicherung aller Schadensstellen sollte bald in Angriff genommen werden, um eine Schadensausweitung und weitere Verluste zu verhindern.
Der Förderverein kann aber auch positive Dinge verkünden. Als Antwort auf das zunehmende regionale und überregionale Interesse am Heraklius-Zyklus und um den Wirkungsgrad seiner Öffentlichkeitsarbeit zu vergrößern, möchte der Verein einen gedruckten Kunstführer herausgeben, aus dessen Verkaufserlösen außerdem weitere Aufgaben finanziert werden können. Der Stiftungsrat der gemeinnützigen Stiftungen der Sparkasse-Finanzgruppe Hessen-Thüringen hat nun mit 1000,- Euro die Übernahme von gut einem Drittel der erforderlichen Kosten zugesagt. Der Förderverein Fraurombacher Wandmalereien setzt fest darauf, dass sich weitere bereits angesprochene Institutionen und Unternehmen bereit erklären, das Projekt zu unterstützen und der Druck eines Kunstführers noch in diesem Jahr realisiert werden kann.
Über den Förderverein, seine Ziele und Aufgaben informiert aktuell eine Homepage, die seit September 2006 unter www.fraurombach.org online ist. Hier findet man zudem einen Rückblick auf die bisherigen Aktivitäten des Vereins, sowie Hintergrundinformationen zur Geschichte der Kirche und zum Herakliuszyklus. Den Aufbau und die Gestaltung des Internetauftritts besorgte das Vereinsmitglied Brigitte Lips aus Pfordt in Zusammenarbeit mit Martin Worret ehrenamtlich und mit viel Kreativität.
Der Förderverein, dessen Aktivitäten allein auf ehrenamtlichem Engagement basieren, wird sich weiterhin für die Erhaltung des Wandmalereizyklus einsetzen und weitere konservatorische Maßnahmen begleiten, unterstützen und fördern, wie wir uns auch an der zurückliegenden Maßnahme finanziell beteiligt haben. All denjenigen, die mit ihren Spenden dazu beigetragen haben, gilt unser Dank.


Hinterspritzung loser Putzstellen mit Injektionsmörtel
Foto: Dipl. Rest. Georg Pracher

Veröffentlicht im Schlitzer Boten am 20.01.2007

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