Der Heraklius-Roman und seine Bildsprache: Vortrag von Kurt Eisenmeier

FRAUROMBACH (be). Vor kurzem hatte der Förderverein Fraurombacher Wandmalereien zu einem Vortrag von Kurt Eisenmeier eingeladen. Kurt Eisenmeier berichtete, dass er vor 50 Jahren anlässlich eines Konzertes zum ersten Mal die Fraurombacher Kirche besucht hatte und gleich so angetan von den Wandmalereien war, dass er sich seither immer wieder mit der dort gezeigten Lebensgeschichte des Kaisers Heraklius beschäftigt hat. Als jüngstes, greifbares Ergebnis dieser Auseinandersetzung hat Kurt Eisenmeier selbst eine Bronze geschaffen, die in der Kirche ausgestellt wurde.
Sie zeigt - wie die letzte Szene der Wandmalereien - Heraklius in dem Moment, wo er das Kreuz trägt. Um genau zu sein, wird der Leib des Heraklius aus Bronze von einem großen Kreuz durchdrungen. Damit veranschaulicht die Bronze die eigentliche Bedeutung, die sich hinter der Geschichte des Heraklius verbirgt: "Er trägt das Kreuz in sich", wie Kurt Eisenmeier gemäß einem Zitat des Mystikers Angelus Silesius aus dem 17. Jahrhundert darlegt. Als Zugang zu den Heraklius-Wandmalereien hat Kurt Eisenmeier nicht den Weg der Historiker oder Kunsthistoriker gewählt. Er geht von der literarischen Ebene aus, von der legenden- und märchenhaften Erzählung und den darin vermittelten Mysterien, wobei vor allem Parallelen zur Geschichte des Gralsritters Parzival genannt wurden. Auf diese Weise konnte Kurt Eisenmeier eindringlich darlegen, dass die Vita des byzantinischen Kaisers Heraklius beispielhaft vorführt, wie dieser durch unterschiedliche Proben einen "Tugendweg" beschreitet und zu tiefer Erkenntnis gelangt ist. Und so war es ein Vortrag der ganz besonderen Art, der dem Kreis der Zuhörer die Vielschichtigkeit der Fraurombacher Wandmalereien auf ein weiteres Mal offen legte und manchen Zuhörer zu neuen Gedankengängen inspirierte.


Kurt Eisenmeier während seines Vortrages in der Kirche zu Fraurombach


Kaiser Heraklius trägt sein Kreuz, geschaffene Bronze von Kurt Eisenmeier.

Veröffentlicht im Schlitzer Boten am 05.10.2005

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