CriMaDa zum "Tag des offenen Denkmals" in der Fraurombacher Kirche: Besonderes Ambiente durch die Herbstsonne untermalt

Schlitz

Auch in diesem Jahr lud der Förderverein Heraklius-Wandmalereien Fraurombach zu einem speziellen Konzert im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Hör-mal im Denkmal" in die evangelische Kirche zu Fraurombach ein.

Von Günter Hohmeier

Der besondere Raum mit dem Wandmalereizyklus aus der Zeit um 1330 - durch die Herbstsonne in warmem Goldgelb bestrahlt - bot auch diesmal ein außergewöhnliches Ambiente für eine musikalische Veranstaltung.
Zusammen mit der Landesmusikakademie Hessen hatte man für das Konzert regionale Musiker (in und um Fulda) eingeladen: die Gruppe CriMaDa.


Hinter diesem Markenzeichen verbergen sich die Anlautungen der Künstlernamen Christoph (Cri) Müller (Piano), Martin (Ma) Klüh (Trompete) und Dagmar (Da) Wortberg (Mezzosopran). Alle drei Künstler zeichnen sich durch eine breit gefächerte und bunte berufliche Vita aus: Sie arbeiten an Musikschulen, konzertieren in unterschiedlichen musikalischen Gruppen und dienen der Musik in verschiedenen Funktionen.
Breit angelegt und bunt war auch das Programm, das die Zuhörer am 11.9. zu Gehör bekamen. Im ersten Teil dominierten Musikstücke von Komponisten vergangener Zeiten, während im 2. Teil Kompositionen zeitgenössischer Musiker folgten.
Interessant dabei war, dass sich die Künstler nicht scheuten, die jeweiligen Dominanzen zu brechen und somit die Hörgewohnheiten ihrer Zuhörer auf eine zumutbare Probe stellten.
Adriana Stegemann von der Landesmusikakademie begrüßte die zahlreich erschienenen Gäste im Namen des Direktors der LMAH Herrn Behounek. Sie verband ihre guten Wünsche für das Gelingen des Konzerts mit der Hoffnung, dass "sich noch das eine oder andere Mitglied für den Förderverein Heraklius finden möge".
Prompt bestätigte Christoph Müller bei seiner Moderation die Notwendigkeit diese Wunsches insofern, als die Künstler bei ihrer Probe in der Fraurombacher Kirche feststellen mussten, dass sich die kleine, schöne Orgel derzeit in keinem wirklich spielfertigen Zustand befindet.
So musste für das Konzert das E-Piano herhalten, das für Ohren, die an die authentische Begleitung alter Musik gewöhnt sind, nicht gerade Wohlbefindlichkeit auslöst.
Wohlgefühlt* hat sich indes der Zuhörer in Alan Hovhaness (1911-2000) "Prayer of Saint Gregory", ein Werk eines armenischen Musikers, dem es ein Anliegen war, in seiner Musik* *Strömungen unterschiedlicher Kulturen zu assimilieren.

Abwechslungsreiches Programm
Ein gutes Beispiel dafür, wie es der christlichen Kirchenmusik gelingen kann, mittelalterliche *musica sacra* in ästhetische Formen der Moderne zu tradieren.
Hinter diesem Werk, das durch seine repetitiven (gregorianischen) Elemente* und seine choralartig-feierliche Kulmination eine besondere Qualität erhält, steht eine kontemplative Grundhaltung. Hovhaness Musik erschließt sich auch dem musikalisch nicht vorgebildeten Zuhörer.
Martin Klüh (Trompete) und Christoph Müller (Piano) gelang eine recht emotionale und beeindruckende Interpretation.
Das Presto des Bach-Sohnes Johann Christian Bach (1735-1782) für Klavier (Cembalo) als logische Weiterführung nach Hovhaness im Programm hatte in Christoph Müller einen sehr sicheren Interpreten, wenngleich man sich die Darbietung etwas weniger "pedalig" hätte vorstellen können.
Der Trompeter Klüh hatte eine Programmumstellung vorgenommen. Statt des Trompetenstücks eines französischen Barockmeisters (Klüh launig: "Kreuztonart* zu viele Hs drin!") präsentierte er ein Adagio und Allegro von Georg Friedrich Händel für Trompete und Continuo. Ebenso wie bei der später folgenden Sonata 1 von Carl Friedrich Abel (1723-1787) erwies sich die Auswahl der Stücke als sehr *gelungen.
Martin Klüh, aufmerksam begleitet von Christoph Müller, gelang es weitgehend, die sehr eingehenden und bekannten* Musikbeispiele stilsicher und meist schön im Ton zu interpretieren.
Allerdings waren bei der Tongebung (Lippenansatz, Registerausgleich) gewisse Eintrübungen unüberhörbar. Auf Nachfrage war zu erfahren, dass Klüh nach einer Grippe noch nicht wieder im Vollbesitz seiner Kräfte war. Ein Umstand, den man gerne nachsehen kann*
Als willkommene Abwechslung erwies sich die Komposition "Ich spüre Deinen Geist" (Musik: Christoph Müller,* Text: Dagmar Wortberg). Dagmar Wortberg (Mezzosopran) gelang es mit gut geführter Stimme, auf erfrischende Weise, die Zuhörer in ihren Bann zu ziehen. Zusammen mit dem nun zu Chris Miller mutierten Komponisten und Arrangeur wurde ge-swingt und gebluest, dass es eine Freude war. Eine sehr farbige und improvisatorische Komposition.
Auch im 2. Teil des Konzerts, der zeitgenössischen Komponisten gewidmet war, erwiesen sich die Musiker als sichere Interpreten einer nicht immer leicht eingehenden Musik. *Street Scene * von Philip Sparke (*1951), eine Anreihung unterschiedlichster Klangeindrücke und -welten wurde von Martin Klüh gut gelungen interpretiert. Eine schwere Kost für einen Trompeter!
Ebenso gelungen die Fantasie über "Forrest Gump", einem Lieblingsstück von Chris Miller aus dem gleichnamigen Film. Es entstehen Bilder, die wie auf einer Leinwand (Canvas, Leinwand - daher auch der Untertitel des Fraurombacher Konzerts *Canvas-Konzert`) gemalt werden.
Als besonderer Höhepunkt dann die interessante Uraufführung `Continent in hac Fortuna, UA`.* Die Musik von Christoph Müller, der Text von Dagmar Wortberg. Ein Konglomerat von "schöner" Choralmusik, fugenartigen Durchführungen und schrillen, dissonanten Elementen. Es geht um Glück und Liebe und Loslassen. Am Ende steht* ästhetischer Anachronismus*
Ähnlich das `Requiem` von Stephen Bulla (*1948), das an die Ereignisse am 11.9.2001 in Ground Zero erinnert (der Tag, an dem das Fraurombacher Konzert stattfindet). Auch hier Mischungen aus barocken Wendungen, verzogener Rhythmik, choralähnlichen Passagen und dissonanten Klängen*
Und viel Beifall am Ende für `Over the Rainbow`, ein Traditional von Harold Arlen (1905-1986) in der Bearbeitung von Christoph Müller.
Hier wird noch einmal ge-swingt und gejazzt, dass "die Fetzen fliegen" (Dagmar Wortberg).
Für das abwechslungsreiche Programm bedankte sich dann auch Margit Krenn, 1. Vorsitzende des Heraklius- Fördervereins und wünschte allen einen beschwingten Nachhauseweg nach dem letzten Stück

 


Martin Klüh (Trompete)


Dagmar Wortberg begeisterte mit "Ich spüre deinen Geist", begleitet am E-Piano von Chris Miller.


Adriana Stegemann begrüßte die Besucher des Konzertes im Namen der LMAH.

zum Originalartikel (Schlitzer Bote, 15.10.2010)

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